Das sind die 20 Prozent.

Ein Blog über Politiker und deren Umgang mit Grundrechten

Antwort auf „Überschätzt sich das Internet?“

with 2 comments

Ganz im Sinne der Blogosphäre antworte ich in eine Art offenem Brief auf einen Artikel, den ich gerade bei netzfeuilleton.de las.

Ich finde nicht, dass es sich um reine Selbstbeweihräucherung handelt, wie es hier unterschwellig vorgeworfen wird. Ich finde auch nicht, dass eine Lethargie entstand nach „dem Verlust“ der Gesetzesabstimmung. Im Gegenteil: Bereits zwei Tage später waren (heute) in über zwanzig Städten aufrechte „C64-Nutzer“ auf der Straße, um auf ihre Weise ihre Meinung zu dem neuen Gesetz und dem generellen Umgang der Politik mit der großen Anzahl von neuen „Einmischern“.

Wie diese Aktionen gestaltet waren, war der Kreativität und des Aktivismus der jeweiligen Organisatoren geschuldet. So empfinde ich aber auch Grablichter und Begräbnisse des Artikel 5 GG als eine Art künstlerischen Ausdrucks der Kritik – was ist daran falsch? Hauptsache ist doch, dass auf die Themen hingewiesen wird!

Und was die immer wieder gern vorgebrachte Kritik angeht, die Blogosphäre drehe sich nur um sich selbst, liest sich nur selbst und kommt in der „realen Welt“ gar nicht an, kann ich nur entgegenen, dass niemals mit dieser Vielzahl von Artikeln in ALLEN relevanten Publikationen über die Sperrvorhaben zu rechnen war, wenn nicht allenortens auf Blogs, Tweets und Webseiten zu dem Thema verwiesen worden wäre. Die Omnipräsenz gab in dieser Art den Ausschlag dafür, dass die Medien das Thema nicht mehr ignorieren wollten, weil „ja jeder drüber spricht“.

Natürlich, nur mit Blogging und Twittern verändert man nicht die Welt. Aber die Freude und Euphorie über diese bisher ungewöhnlich große und geschlossene Bewegung sollte nicht verhöhnt werden. Bisher kannte man höchstens Trends oder Fotos/Videos, die schnell mal die Runde machten. Die Vernetzung wurde nun aber im großen Stil für etwas Neues genutzt, für etwas was vielen am Herzen lag.

Ich kenne viele, die erst durch Vorratsdatenspeicherung und nun letztlich mit Zensursula auf Tagespolitik aufmerksam geworden sind. Für diese Leute war es bisher nicht üblich, die Debatten auf Phoenix zu verfolgen, nun passiert das aber. Auch der Zulauf, den themennahe Gruppen wie AK Vorrat und allen voran die Piratenpartei nun verzeichnen, ist doch ein gutes Zeichen und auch Ausdruck dafür, dass viele aktive Blogger und Twitternutzer es eben gerade nicht dabei belassen wollen, ihre Gedanken und Meinungen auf das Internet loszulassen.

Ich hoffe sehr, dass die Gruppen den Andrang bewältigen und vor allem die neuen Aktivisten beschäftigen und halten können. Es wäre schade, wenn mangels Organisation und Koordination viele Leute abspringen und wieder in einen politisch uninteressierten Regnisationszustand verfallen würden.

Es ist leicht, die e-Petitions- und Zensursula-Welle als Kurzzeittrend abzutun und die Leute zu belächeln, die stolz auf die bisherigen Leistungen sind. Aber das ist in meinen Augen zu kurz gedacht. Es wurden mehrere Kampagnen und Aktionen entworfen, geplant und durchgeführt – und das mit Leuten die sich bisher nicht oder kaum kannten und zumeist ohne einen wesentlichen Geldeinsatz – und das für das sonst so unattraktive Thema Politik!

Ich denke eher, dass das Internet aus seiner Spielphase entwachsen ist und nun nicht mehr nur für private Alltäglichkeiten sondern auch für „The Big Picture“ genutzt wird. Das große Interesse an Seiten wie abgeordnetenwatch.de untermauern diese These.

Gut ausgebildete, technikaffine Leute wollen, nach (zu?) langem Dornrößchenschlaf nun endlich wissen, wohin die bisher beratungsresistenten Entscheider in unserem Staat mit uns hinwollen und schauen ihnen dabei kritisch auf die Hände und Münder. Die Politiker wären dabei gut beraten, einfach mal öfter auf diese Gesellschaftsschicht zu hören, bevor diese einfach eine Ersatzmanschaft für die Regierungsarbeit stellt. Seien Sie sich sicher, Frau von der Leyen, Herr Wiefelspütz und Frau Merkel, wir arbeiten daran!

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Written by berlinerjung

20. Juni 2009 um 22:33

Veröffentlicht in Artikel

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2 Antworten

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  1. ypsilonminus

    20. Juni 2009 at 23:25

  2. […] Überschätzt sich das Internet? Das Lachen bahnt sich seinen Weg! Posted on June 20, 2009 by ypsilonminus Ganz im Sinne der Blogosphäre antworte auch ich auf diese Frage, die das Netzfeuilleton stellt. Ebenso geantwortet hat unter anderem Zwanzigprozent. […]


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